„SEO-Audit" bezeichnet zwei völlig verschiedene Dinge. Das eine ist ein Export aus einem Werkzeug, umbenannt und als PDF verschickt. Das andere ist eine Analyse, die einordnet und priorisiert. Preislich liegen dazwischen mehrere tausend Euro, im Nutzen alles.

Die sechs Bestandteile

1. Technische Bestandsaufnahme

Kann die Website überhaupt vollständig erfasst werden? Geprüft werden Erreichbarkeit und Sperren, Kanonisierung, Weiterleitungsketten, Statuscodes, Sitemap-Konsistenz, Ladeverhalten auf Mobilgeräten und die Frage, ob Inhalte ohne JavaScript vorhanden sind.

Das ist der Teil, den Werkzeuge gut abdecken. Er ist notwendig, aber er ist nicht der Audit.

2. Inhalte gegen die tatsächliche Nachfrage

Welche Themen deckt die Website ab, und welche davon werden gesucht? Und umgekehrt: Wonach wird gesucht, ohne dass es eine passende Seite gäbe? Hier zeigt sich fast immer die größte ungenutzte Fläche – meist gibt es zu viele Seiten für ein Thema und keine für ein anderes.

3. Struktur und interne Verlinkung

Wie ist die Website aufgebaut, wie viele Klicks braucht es zu wichtigen Seiten, welche Seiten bekommen intern die meisten Verweise? Ein häufiger Befund: Die umsatzstärksten Seiten liegen vier Ebenen tief und werden intern kaum verlinkt.

4. Einordnung gegenüber dem Wettbewerb

Nicht „die Wettbewerber sind besser", sondern: Wer steht bei den relevanten Suchanfragen vorn, was hat der dort stehen, und was fehlt uns konkret? Namentlich, nachprüfbar, mit Beispielen.

5. Messung

Ist die Search Console eingerichtet und werden alle Fassungen erfasst? Misst das Analysewerkzeug korrekt? Werden Anfragen als Ziel erfasst? Dieser Punkt wird oft übersprungen und rächt sich später: Ohne saubere Messung lässt sich der Erfolg der folgenden zwölf Monate nicht beurteilen.

6. Priorisierte Maßnahmenliste

Der eigentliche Wert. Jeder Punkt mit geschätztem Aufwand, erwarteter Wirkung, Zuständigkeit und Reihenfolge. Aus 300 Befunden werden so 15 Dinge, die im nächsten Quartal passieren.

Woran man den Werkzeugexport erkennt

  • Alles ist gleich wichtig. Keine Reihenfolge, keine Gewichtung – nur eine Liste mit Fehlerklassen.
  • Keine konkreten URLs. „Fehlende Meta-Descriptions" statt einer Aufstellung, welche Seiten betroffen sind.
  • Kein Bezug zum Geschäft. Der Audit könnte für jedes beliebige Unternehmen geschrieben sein.
  • Standardempfehlungen. „Erstellen Sie regelmäßig hochwertigen Content" ist keine Maßnahme.
  • Kein Gespräch. Wer einen Audit ohne ein einziges Telefonat liefert, hat die Hälfte der nötigen Information nicht.

Die eine Frage vor der Beauftragung

Bekomme ich am Ende eine nach Aufwand und Wirkung sortierte Liste mit konkreten Zuständigkeiten – oder eine Aufstellung der Befunde?

Beide Antworten sind legitim, aber sie beschreiben unterschiedliche Produkte zu unterschiedlichen Preisen. Nur sollte man wissen, welches man bestellt hat.