„Wie lange dauert das?" ist die zweithäufigste Frage im Erstgespräch, gleich nach dem Preis. Die ehrliche Antwort lautet: Das kommt darauf an – aber die Faktoren lassen sich benennen, und dann wird aus der Ausflucht eine Planung.
Was schnell geht
Technische Korrekturen wirken am schnellsten, weil sie nichts Neues aufbauen, sondern Vorhandenes zugänglich machen. Eine versehentlich gesetzte Sperre in der robots.txt, falsch gesetzte Kanonisierungen, eine Sitemap voller Fehler, Inhalte die erst per JavaScript erscheinen: Solche Fehler blockieren oft Jahre an bereits geleisteter Arbeit.
Wird das behoben, sieht man Bewegung häufig innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Das ist der Grund, warum jede seriöse Zusammenarbeit mit einer technischen Bestandsaufnahme beginnt und nicht mit Textproduktion.
Was Monate braucht
Neue Inhalte brauchen Zeit, und zwar aus einem nachvollziehbaren Grund: Suchmaschinen müssen sie finden, einordnen und ihre Nützlichkeit einschätzen. Diese Einschätzung entsteht über Verhaltenssignale und Verweise – beides braucht Wochen.
Als Orientierung: Auf einer etablierten Website mit Historie erreichen gute Inhalte nach drei bis sechs Monaten eine stabile Position. Bei einer jungen Domain ohne Vorgeschichte sind sechs bis zwölf Monate realistischer. In hart umkämpften Feldern – Versicherungen, Kredite, Reisen – kann es deutlich länger dauern.
Der eigentliche Engpass
Die Verzögerung liegt selten bei der Suchmaschine. Sie liegt zwischen Empfehlung und Umsetzung.
Eine Agentur liefert im ersten Monat eine Liste mit dreißig Punkten. Fünf davon kann sie selbst umsetzen, für 25 braucht sie das Entwicklungsteam oder eine Freigabe. Wenn das interne Team ausgelastet ist und der nächste Sprint schon geplant, verschiebt sich alles um sechs Wochen. Dreimal wiederholt, ist das erste halbe Jahr vorbei, ohne dass viel passiert wäre.
Deshalb gehört in jedes Erstgespräch die Frage: Wer setzt bei uns um, und wie viel Kapazität hat diese Person pro Monat? Wenn die Antwort „das machen wir nebenbei" lautet, sollte das Budget lieber in eine Agentur fließen, die auch umsetzt.
Ein realistischer Verlauf
- Wochen 1–4: Bestandsaufnahme, Zugänge, Messung einrichten. Erste technische Korrekturen. Noch keine Ergebnisse, aber die Grundlage dafür.
- Monate 2–3: Technische Fehler behoben, erste Inhalte überarbeitet. Erste Bewegungen bei bestehenden Seiten sichtbar.
- Monate 4–6: Neue Inhalte greifen, die Positionsverteilung verschiebt sich messbar. Erste zurechenbare Anfragen.
- Monate 7–12: Der Aufbau trägt. Ab hier lässt sich beurteilen, ob die Zusammenarbeit wirtschaftlich funktioniert.
Wann man die Reißleine ziehen sollte
Nicht nach drei Monaten – das ist zu früh für eine Beurteilung. Aber nach sechs Monaten sollten drei Dinge messbar sein: mehr erfasste Seiten, mehr Impressionen und eine Verschiebung der Positionsverteilung nach vorn. Nicht unbedingt mehr Umsatz, aber Bewegung in die richtige Richtung.
Ist nach sechs Monaten nichts davon zu sehen, ist ein offenes Gespräch fällig. Meist stellt sich dabei heraus, dass die Empfehlungen nicht umgesetzt wurden – und dann liegt das Problem intern.